Anna Pekala

 

Portrait made by Florian Albrecht-Schoeck

Name

Anna Pekala

 

Kontakt

annapekala (at) web.de

 

Geburtsort

Wodzisław Śląski (Polen)

 

Ausbildung

2011 - Diplom bei Prof. Martin Liebscher und Prof. Dr. Burghart Schmidt an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main (Fachbereich: Visuelle Kommunikation)

 

2006 - 2007

Akademia Sztuk Pięknych w Krakowie (Akademie der Bildenden Künste Krakau)

Studium bei Prof. Agata Pankiewicz

 

Lehrtätigkeit

2011 - 2013  Fotografie Dozentin an der Frankfurter Akademie für Kommunikation und Design

 

Auftragsarbeiten (Auswahl)

Chrismon Magazin

Frankfurter Jugendring

Academy of Visual Arts / Frankfurter Akademie für Kommunikation und Design

Amt für Gesundheit Frankfurt am Main

Jugend-/Sozialamt-Bildungswerk - Stadt Frankfurt a. M.

Amt für multikulturelle Angelegenheiten

OuverTüre e. V.

Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft

glückundstiefel / Studio für nachhaltiges Design

gjb - Gesellschaft für Jugendbeschäftigung

Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH.

SPD Ginnheim - Frankfurt am Main

 

 

 

Ausstellungen: Ansichten (Auswahl)

Ansichten : In Frankfurter Gesellschaft - Sossenheim (2015)

Ansichten : In Frankfurter Gesellschaft - New Betts / Att Berry (2016)

Ansichten : In Frankfurter Gesellschaft - Preungesheim (2015)

Ansichten : Eröffnung Marburger Kunstverein - Zeit & Zeuge (2014)  / Foto: Roman Koeller

Ansichten : Eröffnung Marburger Kunstverein - Zeit & Zeuge (2014)  / Foto: Roman Koeller)

Presse (Auswahl)

 

02.09.2016

FNP - Einblick in die Privatsphäre

 

07.05.2016

FNP - Griesheim innen und außen

 

Dezember 2015

F.A.Z. Fotoschau zu Preungesheim

 

19.11.2015

Frankfurter Rundschau - Einblick in Private

 

09.10.2015

FNP - Die Sossenheimer Seele ausloten

 

Oktober 2015

F.A.Z.  - Porträts aus Sossenheim

 

24.07.2015

FNP - Ein Blick für die Stadtteile

 

03.07.2015

FNP - Die Stadtteile mal anders gesehen

 

Juli 2015

FAZ - Neue Porträts der Stadtteilbewohner

 

05.06.2015

FNP - Ausstellung zeigt Alltag der Bewohner des Stadtteils

 

 

Juni 2015

FAZ - Großaufnahmen von privaten Lebenswelten

 

21.11.2014

FNP - Gemeinsam sind wir Ginnheim

 

02.05.2014

Hessischer Rundfunk - Frankfurt ganz privat

 

01.05.2014

DIE WELT - Eine vermeintlich heile Welt

 

Mai 2014

FAZ - Ginnheim und seine Bewohner in Großaufnahme

 

März 2014

FAZ - Foto-Schau zum Atzelberg

 

28.02.2014

Frankfurter Rundschau-Inszenierte Einblicke in die Privatsphäre

 

19.03.2014

FNP - Fotos erzählen vom Leben in Seckbach

 

Dezember 2013

FAZ - Fotoausstellung über Siedlung Taunusblick

 

21.11.2013

FNP - Bilder eines Stadtteils

 

Texte

 

2011, Ben-Gurion-Ring

Text von Kunsthistoriker Fabian Reifferscheidt M.A.

 

Sein Ruf eilt ihm voraus – Perspektivlosigkeit, Drogenhandel, Überfälle – der Ben-Gurion-Ring in Frankfurt gilt in der öffentlichen Wahrnehmung als das, was man einen „sozialen Musterbrennpunkt“ nennen könnte. Die mit Hochhäusern bebaute Ringstraße in der deutschen Finanzhauptstadt Frankfurt am Main entstand in den 1970er Jahren als sozialer Wohnungsbau und stellt aus heutiger Sicht einen eher unbequemen und anonymen Lebensraum dar, der durch triste Plattenbauarchitekturen geprägt ist. Das ehemals gutgemeinte Konzept der „Wohnmaschine“, einst vom Stararchitekten Le Corbusier erdacht, produzierte im Laufe der Jahrzehnte das Klischee von verachtungswürdigen Lebensumständen und machte ihre Bewohner zu Zielscheiben von Anfeindungen und Vorurteilen. Dabei ist der Ben-Gurion-Ring ein urbanes Projekt, das in dieser oder anderer Form in fast allen Großstädten der Bundesrepublik zu finden ist. Ursprünglich als Antwort auf den Wohnungsmangel nach dem Zweiten Weltkrieg gedacht, zielte die Idee des sozialen Wohnungsbaus auf höchste Effektivität, darauf möglichst viel Wohnraum zu güns- tigen Konditionen zu schaffen. Die dahinterstehende Bauweise, geprägt durch serielle Produktion und formale Wiederholung, schreckt uns heute ab, widerspricht es doch den allzu menschlichen Wünschen nach Individualität und Selbstverwirklichung. Der nach außen eintönige, uniforme Wohnraum, in dem jeder Bewohner dieselben Voraussetzungen vorfindet, wird geradezu automatisch auf seine Mieter übertragen. Das Image des Plattenbaubewohners ist geprägt vom einseitigen Bild der Massenmedien, die in gescripteten Sendungsformaten den herablassenden Blick auf die vermeintlich asozialkriminelle Unterschicht pflegen.

 

Die beschriebene Kulisse – der Makrokosmos Ben-Gurion- Ring – dient Anna Pekala als Raster für eine künstlerische Strategie, die auf diese Vorurteile reagiert, indem sie nicht den stereotypen Blickwinkel propagiert, sondern gezielt und im wahrsten Sinne des Wortes hinter die Fassaden einer oft missverstandenen Welt schaut. Die Fotoserie Pekalas führt uns die Bewohner der Plattenbausiedlung in einer konzeptuell-dokumentarischen Herangehensweise vor Augen. Grundlage des Konzeptes bildet der immer gleiche Wohnraum, den die Künstlerin in beinahe archivalischer Haltung aufsucht. Die so entstandenen Werke wirken in ihrer formal-ästhetischen Erscheinung zunächst schlicht und undramatisch. Die Fotografin nimmt sich deutlich zurück, verzichtet auf theatralische Beleuchtung und aufwendige Bildregie; die Perspektive der Autorin und die damit verbundenen subjektiven Empfindungen werden fühlbar negiert. Das Resultat sind nüchterne Porträts, die vor allem dem Genre Rechnung tragen, inhaltlich überzeugen und weitaus mehr transportieren als das reine Abbild der äußeren Erscheinung. Diesen Mehrwert erreicht Pekala mit einem gezielten Bruch des streng dokumentarischen Ansatzes, indem sie sich die Anwendung eines Kunstgriffs erlaubt, der den besonderen Wert der Serie maßgeblich bestimmt. Die Porträtierten werden dabei aus ihrer Passivität als Bildobjekte herausgelöst und zur aktiven Selbstdarstellung angehalten – Möbel werden verrückt, der Hintergrund gestaltet, die passende Kleidung angezogen und die aussagekräftigste Haltung und Aufstellung gewählt. Im fruchtbaren Moment der Selbstinszenierung liegt der herausragende Verdienst der Arbeit und der tiefe Einblick in das Wesen und die Persönlichkeit der Menschen begründet. Denn mit der kontrollierten Abgabe der künstlerischen Autonomie und dem Wissen darum, beginnt der herausfordernde Rezeptionsakt des Betrachters, dem bewusst ist, dass es sich bei den gezeigten Bildern um annähernd autobiografischen Lesestoff handelt. Jede Aufnahme für sich bildet dabei einen eigenen Mikrokosmos, dessen Reiz darin liegt sich den Menschen, ihren Persönlichkeiten und Lebensweisen zu öffnen. Die Bildinhalte sind dabei so mannigfaltig wie das Leben selbst. Zu entdecken gibt es kindliche Kreativität, herrschaftliche Posen und bunt-fröhliche Interieurs; Geschichten von An- und Abwesenheit, Sehnsüchten und Schicksalsschlägen; Familien und Einzelgänger; Humor und Ernsthaftigkeit.

 

Die Selbstinszenierung ist nicht zuletzt aufgrund der Entwicklung zum interaktiven Web 2.0 ein hochaktuelles Thema und doch ist sie als Strategie gerade auf dem Gebiet der Porträtfotografie nicht neu, denken wir nur an Arbeiten der US-Amerikanischen Fotografin Diane Arbus. Pekalas Arbeiten jedoch gehen über eine simple Adaption bereits erbrachter Leistungen hinaus. Es ist die Anwendung einer Strategie auf ein urbanes Phänomen und eine damit verbundene Fruchtbarmachung das Leben im Ben-Gurion-Ring keineswegs den grauen Plattenbaufassaden entspricht. Die Fülle der dargebotenen Einblicke berührt, erzeugt Momente der Einfühlung und widerspricht den anfangs formulierten Vorurteilen. Der Mut der Bildprotagonisten zur Selbstoffenbarung, der eröffnete Blick ins Persönlichste wird insofern belohnt, als dass die ihnen gegebene Stimme zum Teil eines künstlerischen Projekts wird, das sich auf hohem politischen Niveau abspielt und dessen Brisanz folgerichtig weit über den reinen Kunstkontext hinaus geht. Anna Pekala gelingt mit ihrer Serie ein beeindruckend sensibles Werk aus sozialer Teilhabe, Aktualität und künstlerischer Poesie.

 

 

2014, Zeit und Zeuge im Marburger Kunstverein

Vorwort im Ausstellungskatalog von Anne-Marie Beckmann, Art Collection Deutsche Börse

 

Die Ausstellung »Zeit und Zeuge« zeigt fotografisch Arbeiten der beiden jungen Künstler Anna Pekala und Florian Albrecht-Schoeck, die sich kritisch und engagiert mit unserer heutigen Gesellschaft auseinandersetzen. Die Bildsprache, die sie jeweils dafür wählen, könnte kaum unterschiedlicher sein, dennoch erkennen wir in beiden Werkgruppen die gleiche Ernsthaftigkeit und den respektvollen Blick auf ihre Motive.

 

Anna Pekala portraitiert in ihren Serien »Sinti und Roma« und »Ben Gurion Ring« Menschen, die inmitten unserer Gesellschaft leben und dennoch – ethnisch oder räumlich bedingt – einer in sich geschlossenen Gruppe angehören. Für Anna Pekala haben sie nicht nur ihre Türen sondern auch sich selbst geöffnet. Es ist ihr gelungen, in einem sozial schwierigen Umfeld würdevolle Portraits fernab jeglicher Klischees und Vorurteile zu schaffen, die in einem harmonischen Zusammenspiel von Selbstinszenierung und künstlerischem Arrangement changieren. Trotz bisweilen kitschig überladener Räume und Accessoires sind Anna Pekalas Bilder von einer fast strengen Klarheit. Sie zeugen von Neugier, subtilem Humor und ihrem einfühlsamem Interesse an den Menschen, denen sie begegnet.

 

Florian Albrecht-Schoeck setzt sich in seinen fotografischen Serien ebenfalls mit seinem Umfeld auseinander, fokussiert sich dabei jedoch mehr auf Landschaft, Architektur und Raum – vertrauten ebenso wie fremden. Mit wachsamem Blick legt er Strukturen offen, findet das Beachtliche im Unauffälligen und verweist auf Widersprüche und Verlorenheit. Unter dem Titel »Kurzgeschichte« zeigt er eine Fotografische Arbeit, welche in den Räumen des Marburger Universitäts-Museums entstanden ist. Sie zeigt das Museum als Ort, an dem Kunstwerke und Dokumente Aufschluss über Vergangenes und Gegenwärtiges geben. »Kurzgeschichte« über- zeugt nicht nur durch einen hervorragenden fotografischen Blick hinter die Kulissen und auf die Geschichte des Hauses. Sie ist darüber hinaus ein einfühlsames und bisweilen humorvolles Portrait eines Museums, das selber zu einem Ausstellungsstück geworden ist. Ebenfalls Teil der Ausstellung ist die monumentale Wandarbeit »Im Lager«, die in Originalgröße das Bilderlager des Museums von vorne zeigt und an einen überdimensio- nalen Barcode erinnert. In seinen Serien »Kraj Rodzinny« und »Lost« geht Florian Albrecht-Schoeck auf die Suche: nach den eigenen Wurzeln, nach dem Gefühl von Heimat und dem der Fremde.

 

Beide Künstler zeichnen mit ihren Werken ein kritisches Bild unserer Gesellschaft, welches in seiner zurückgenommenen und dennoch kraftvollen Bildsprache nachhaltig wirkt und seine Betrachter dazu anregt, seine eigenen Sehgewohnheiten zu hinter-fragen.

 

 

2014, Zeit und Zeuge im Marburger Kunstverein

Über die Ausstellung, Text von Kunsthistoriker Fabian Reifferscheidt M.A. (Kompletter Text im Katalog)

 

Wir leben in einer Zeit extremer Bilderfluten. Auf Grundlage des technologischen Fortschritts im 21. Jahrhundert ist eine pausenlos bilderproduzierende Gesellschaft entstanden, in der jedes Ereignis, jeder Ort und jede Handlung würdig erscheint, festgehalten und konserviert zu werden. Die damit verbundenen Herausforderungen zu erkennen und für diese zu sensibilisieren, ist Aufgabe der Kunst und der mit ihr verbundenen Wissenschaften.

 

Die Ausstellung Zeit und Zeugen im Marburger Kunstverein stellt dem oberflächlichen Dokumentations-wahn, der sich in der medialen Bilderflut offenbart, zwei Positionen entgegen, denen es anhand komplexer künstlerischer Strategien gelingt, erzählerische Dimensionen zu öffnen, die weit über das Festhalten der sichtbaren Welt hinaus gehen. Sowohl Anna Pekala als auch Florian Albrecht-Schoeck sind in ihrer Arbeit fest im Bereich der sozialkritischen Fotografie verankert, auch wenn sich ihre Herangehensweisen fundamental voneinander unterscheiden.

 

Pekalas bevorzugtes Medium ist die Porträtfotografie. In zahlreichen Serien hat sie Menschen besucht und in einer Mischung aus Selbstinszenierung und kontrollierter künstlerischer Intervention Milieustudien geschaffen, die intime Einblicke in das Leben verschiedener gesellschaftlicher Gruppen erlauben.

 

Grundlage und Voraussetzung aller Fotostrecken Pekalas ist das Zugehen auf die jeweiligen Protagonisten ihrer Bilder. Gegen- seitiges Vertrauen und der Verzicht auf unnatürliche Inszenierung lassen eine Bildsprache entstehen, deren herausragender Mehrwert darin liegt, tief verwurzelte Vorurteile in ihrer Oberflächlichkeit zu entlarven.

 

In den Arbeiten Florian Albrecht-Schoecks spielt der Mensch als Motiv zunächst keine Rolle. In seinen Fotostrecken und Einzelwerken bilden vor allem außergewöhnliche Orte das Fundament einer vielschichtigen, immer auch politisch verstandenen Ästhetik. Albrecht-Schoecks Topografien führen den Betrachter an Orte, die entweder streng bewacht oder aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein verschwunden sind. Mit sicherem Gespür für Raum und Lichtkom-positionen gelingt es ihm immer wieder aufs Neue, seine Motive so zu interpretieren, dass sie sich als gesellschafts-kritische Chiffren im Bewusstsein des Betrachters festsetzen.

 

Beiden Künstler sind das beeindruckende Engagement und ihr Interesse an gesellschaftlichen Fragen gemein. Der Welt der schnelllebigen Bilderflut begegnen sie mit journalistischem Fleiß und poetischer Bildsprache. Die Produkte ihrer Arbeit erreichen dabei eine Qualität, die das Prädikat Zeitzeugen verdient und einen wertvollen Beitrag zu gesellschaftlichen Diskussionen leistenkann.

 

 

© 2015 Anna Pekala. All rights reserved. / Impressum

Presse (Auswahl)

 

02.09.2016

FNP - Einblick in die Privatsphäre

 

07.05.2016

FNP - Griesheim innen und außen

 

Dezember 2015

F.A.Z. Fotoschau zu Preungesheim

 

19.11.2015

Frankfurter Rundschau - Einblick in Private

 

09.10.2015

FNP - Die Sossenheimer Seele ausloten

 

Oktober 2015

F.A.Z.  - Porträts aus Sossenheim

 

24.07.2015

FNP - Ein Blick für die Stadtteile

 

03.07.2015

FNP - Die Stadtteile mal anders gesehen

 

Juli 2015

FAZ - Neue Porträts der Stadtteilbewohner

 

05.06.2015

FNP - Ausstellung zeigt Alltag der Bewohner des Stadtteils

 

 

Juni 2015

FAZ - Großaufnahmen von privaten Lebenswelten

 

21.11.2014

FNP - Gemeinsam sind wir Ginnheim

 

02.05.2014

Hessischer Rundfunk - Frankfurt ganz privat

 

01.05.2014

DIE WELT - Eine vermeintlich heile Welt

 

Mai 2014

FAZ - Ginnheim und seine Bewohner in Großaufnahme

 

März 2014

FAZ - Foto-Schau zum Atzelberg

 

28.02.2014

Frankfurter Rundschau-Inszenierte Einblicke in die Privatsphäre

 

19.03.2014

FNP - Fotos erzählen vom Leben in Seckbach

 

Dezember 2013

FAZ - Fotoausstellung über Siedlung Taunusblick

 

21.11.2013

FNP - Bilder eines Stadtteils

 

Portrait made by Florian Albrecht-Schoeck

Name

Anna Pekala

 

Kontakt

annapekala (at) web.de

 

Geburtsort

Wodzisław Śląski (Polen)

 

Ausbildung

2011 - Diplom bei Prof. Martin Liebscher und Prof. Dr. Burghart Schmidt an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main (Fachbereich: Visuelle Kommunikation)

 

2006 - 2007

Akademia Sztuk Pięknych w Krakowie (Akademie der Bildenden Künste Krakau)

Studium bei Prof. Agata Pankiewicz

 

Lehrtätigkeit

2011 - 2013  Fotografie Dozentin an der Frankfurter Akademie für Kommunikation und Design

 

Auftragsarbeiten (Auswahl)

Chrismon Magazin

Frankfurter Jugendring

Academy of Visual Arts / Frankfurter Akademie für Kommunikation und Design

Amt für Gesundheit Frankfurt am Main

Jugend-/Sozialamt-Bildungswerk - Stadt Frankfurt a. M.

Amt für multikulturelle Angelegenheiten

OuverTüre e. V.

Frankfurter Programm - Aktive Nachbarschaft

glückundstiefel / Studio für nachhaltiges Design

gjb - Gesellschaft für Jugendbeschäftigung

Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH.

SPD Ginnheim - Frankfurt am Main

 

Ausstellungen: Ansichten (Auswahl)

Ansichten : In Frankfurter Gesellschaft - Sossenheim (2015)

Ansichten : In Frankfurter Gesellschaft - New Betts / Att Berry (2016)

Ansichten : In Frankfurter Gesellschaft - Preungesheim (2015)

Ansichten : Eröffnung Marburger Kunstverein - Zeit & Zeuge (2014)  / Foto: Roman Koeller

Ansichten : Eröffnung Marburger Kunstverein - Zeit & Zeuge (2014)  / Foto: Roman Koeller)

Presse (Auswahl)

 

02.09.2016

FNP - Einblick in die Privatsphäre

 

07.05.2016

FNP - Griesheim innen und außen

 

Dezember 2015

F.A.Z. Fotoschau zu Preungesheim

 

19.11.2015

Frankfurter Rundschau - Einblick in Private

 

09.10.2015

FNP - Die Sossenheimer Seele ausloten

 

Oktober 2015

F.A.Z.  - Porträts aus Sossenheim

 

24.07.2015

FNP - Ein Blick für die Stadtteile

 

03.07.2015

FNP - Die Stadtteile mal anders gesehen

 

Juli 2015

FAZ - Neue Porträts der Stadtteilbewohner

 

05.06.2015

FNP - Ausstellung zeigt Alltag der Bewohner des Stadtteils

 

Juni 2015

FAZ - Großaufnahmen von privaten Lebenswelten

 

21.11.2014

FNP - Gemeinsam sind wir Ginnheim

 

02.05.2014

Hessischer Rundfunk - Frankfurt ganz privat

 

01.05.2014

DIE WELT - Eine vermeintlich heile Welt

 

Mai 2014

FAZ - Ginnheim und seine Bewohner in Großaufnahme

 

März 2014

FAZ - Foto-Schau zum Atzelberg

 

28.02.2014

Frankfurter Rundschau-Inszenierte Einblicke in die Privatsphäre

 

19.03.2014

FNP - Fotos erzählen vom Leben in Seckbach

 

Dezember 2013

FAZ - Fotoausstellung über Siedlung Taunusblick

 

21.11.2013

FNP - Bilder eines Stadtteils

 

Texte

 

2011, Ben-Gurion-Ring

Text von Kunsthistoriker Fabian Reifferscheidt M.A.

 

Sein Ruf eilt ihm voraus – Perspektivlosigkeit, Drogenhandel, Überfälle – der Ben-Gurion-Ring in Frankfurt gilt in der öffentlichen Wahrnehmung als das, was man einen „sozialen Musterbrennpunkt“ nennen könnte. Die mit Hochhäusern bebaute Ringstraße in der deutschen Finanzhauptstadt Frankfurt am Main entstand in den 1970er Jahren als sozialer Wohnungsbau und stellt aus heutiger Sicht einen eher unbequemen und anonymen Lebensraum dar, der durch triste Plattenbauarchitekturen geprägt ist. Das ehemals gutgemeinte Konzept der „Wohnmaschine“, einst vom Stararchitekten Le Corbusier erdacht, produzierte im Laufe der Jahrzehnte das Klischee von verachtungswürdigen Lebensumständen und machte ihre Bewohner zu Zielscheiben von Anfeindungen und Vorurteilen. Dabei ist der Ben-Gurion-Ring ein urbanes Projekt, das in dieser oder anderer Form in fast allen Großstädten der Bundesrepublik zu finden ist. Ursprünglich als Antwort auf den Wohnungsmangel nach dem Zweiten Weltkrieg gedacht, zielte die Idee des sozialen Wohnungsbaus auf höchste Effektivität, darauf möglichst viel Wohnraum zu güns- tigen Konditionen zu schaffen. Die dahinterstehende Bauweise, geprägt durch serielle Produktion und formale Wiederholung, schreckt uns heute ab, widerspricht es doch den allzu menschlichen Wünschen nach Individualität und Selbstverwirklichung. Der nach außen eintönige, uniforme Wohnraum, in dem jeder Bewohner dieselben Voraussetzungen vorfindet, wird geradezu automatisch auf seine Mieter übertragen. Das Image des Plattenbaubewohners ist geprägt vom einseitigen Bild der Massenmedien, die in gescripteten Sendungsformaten den herablassenden Blick auf die vermeintlich asozialkriminelle Unterschicht pflegen.

 

Die beschriebene Kulisse – der Makrokosmos Ben-Gurion- Ring – dient Anna Pekala als Raster für eine künstlerische Strategie, die auf diese Vorurteile reagiert, indem sie nicht den stereotypen Blickwinkel propagiert, sondern gezielt und im wahrsten Sinne des Wortes hinter die Fassaden einer oft missverstandenen Welt schaut. Die Fotoserie Pekalas führt uns die Bewohner der Plattenbausiedlung in einer konzeptuell-dokumentarischen Herangehensweise vor Augen. Grundlage des Konzeptes bildet der immer gleiche Wohnraum, den die Künstlerin in beinahe archivalischer Haltung aufsucht. Die so entstandenen Werke wirken in ihrer formal-ästhetischen Erscheinung zunächst schlicht und undramatisch. Die Fotografin nimmt sich deutlich zurück, verzichtet auf theatralische Beleuchtung und aufwendige Bildregie; die Perspektive der Autorin und die damit verbundenen subjektiven Empfindungen werden fühlbar negiert. Das Resultat sind nüchterne Porträts, die vor allem dem Genre Rechnung tragen, inhaltlich überzeugen und weitaus mehr transportieren als das reine Abbild der äußeren Erscheinung. Diesen Mehrwert erreicht Pekala mit einem gezielten Bruch des streng dokumentarischen Ansatzes, indem sie sich die Anwendung eines Kunstgriffs erlaubt, der den besonderen Wert der Serie maßgeblich bestimmt. Die Porträtierten werden dabei aus ihrer Passivität als Bildobjekte herausgelöst und zur aktiven Selbstdarstellung angehalten – Möbel werden verrückt, der Hintergrund gestaltet, die passende Kleidung angezogen und die aussagekräftigste Haltung und Aufstellung gewählt. Im fruchtbaren Moment der Selbstinszenierung liegt der herausragende Verdienst der Arbeit und der tiefe Einblick in das Wesen und die Persönlichkeit der Menschen begründet. Denn mit der kontrollierten Abgabe der künstlerischen Autonomie und dem Wissen darum, beginnt der herausfordernde Rezeptionsakt des Betrachters, dem bewusst ist, dass es sich bei den gezeigten Bildern um annähernd autobiografischen Lesestoff handelt. Jede Aufnahme für sich bildet dabei einen eigenen Mikrokosmos, dessen Reiz darin liegt sich den Menschen, ihren Persönlichkeiten und Lebensweisen zu öffnen. Die Bildinhalte sind dabei so mannigfaltig wie das Leben selbst. Zu entdecken gibt es kindliche Kreativität, herrschaftliche Posen und bunt-fröhliche Interieurs; Geschichten von An- und Abwesenheit, Sehnsüchten und Schicksalsschlägen; Familien und Einzelgänger; Humor und Ernsthaftigkeit.

 

Die Selbstinszenierung ist nicht zuletzt aufgrund der Entwicklung zum interaktiven Web 2.0 ein hochaktuelles Thema und doch ist sie als Strategie gerade auf dem Gebiet der Porträtfotografie nicht neu, denken wir nur an Arbeiten der US-Amerikanischen Fotografin Diane Arbus. Pekalas Arbeiten jedoch gehen über eine simple Adaption bereits erbrachter Leistungen hinaus. Es ist die Anwendung einer Strategie auf ein urbanes Phänomen und eine damit verbundene Fruchtbarmachung das Leben im Ben-Gurion-Ring keineswegs den grauen Plattenbaufassaden entspricht. Die Fülle der dargebotenen Einblicke berührt, erzeugt Momente der Einfühlung und widerspricht den anfangs formulierten Vorurteilen. Der Mut der Bildprotagonisten zur Selbstoffenbarung, der eröffnete Blick ins Persönlichste wird insofern belohnt, als dass die ihnen gegebene Stimme zum Teil eines künstlerischen Projekts wird, das sich auf hohem politischen Niveau abspielt und dessen Brisanz folgerichtig weit über den reinen Kunstkontext hinaus geht. Anna Pekala gelingt mit ihrer Serie ein beeindruckend sensibles Werk aus sozialer Teilhabe, Aktualität und künstlerischer Poesie.

 

 

2014, Zeit und Zeuge im Marburger Kunstverein

Vorwort im Ausstellungskatalog von Anne-Marie Beckmann, Art Collection Deutsche Börse

 

Die Ausstellung »Zeit und Zeuge« zeigt fotografisch Arbeiten der beiden jungen Künstler Anna Pekala und Florian Albrecht-Schoeck, die sich kritisch und engagiert mit unserer heutigen Gesellschaft auseinandersetzen. Die Bildsprache, die sie jeweils dafür wählen, könnte kaum unterschiedlicher sein, dennoch erkennen wir in beiden Werkgruppen die gleiche Ernsthaftigkeit und den respektvollen Blick auf ihre Motive.

 

Anna Pekala portraitiert in ihren Serien »Sinti und Roma« und »Ben Gurion Ring« Menschen, die inmitten unserer Gesellschaft leben und dennoch – ethnisch oder räumlich bedingt – einer in sich geschlossenen Gruppe angehören. Für Anna Pekala haben sie nicht nur ihre Türen sondern auch sich selbst geöffnet. Es ist ihr gelungen, in einem sozial schwierigen Umfeld würdevolle Portraits fernab jeglicher Klischees und Vorurteile zu schaffen, die in einem harmonischen Zusammenspiel von Selbstinszenierung und künstlerischem Arrangement changieren. Trotz bisweilen kitschig überladener Räume und Accessoires sind Anna Pekalas Bilder von einer fast strengen Klarheit. Sie zeugen von Neugier, subtilem Humor und ihrem einfühlsamem Interesse an den Menschen, denen sie begegnet.

 

Florian Albrecht-Schoeck setzt sich in seinen fotografischen Serien ebenfalls mit seinem Umfeld auseinander, fokussiert sich dabei jedoch mehr auf Landschaft, Architektur und Raum – vertrauten ebenso wie fremden. Mit wachsamem Blick legt er Strukturen offen, findet das Beachtliche im Unauffälligen und verweist auf Widersprüche und Verlorenheit. Unter dem Titel »Kurzgeschichte« zeigt er eine Fotografische Arbeit, welche in den Räumen des Marburger Universitäts-Museums entstanden ist. Sie zeigt das Museum als Ort, an dem Kunstwerke und Dokumente Aufschluss über Vergangenes und Gegenwärtiges geben. »Kurzgeschichte« über- zeugt nicht nur durch einen hervorragenden fotografischen Blick hinter die Kulissen und auf die Geschichte des Hauses. Sie ist darüber hinaus ein einfühlsames und bisweilen humorvolles Portrait eines Museums, das selber zu einem Ausstellungsstück geworden ist. Ebenfalls Teil der Ausstellung ist die monumentale Wandarbeit »Im Lager«, die in Originalgröße das Bilderlager des Museums von vorne zeigt und an einen überdimensio- nalen Barcode erinnert. In seinen Serien »Kraj Rodzinny« und »Lost« geht Florian Albrecht-Schoeck auf die Suche: nach den eigenen Wurzeln, nach dem Gefühl von Heimat und dem der Fremde.

 

Beide Künstler zeichnen mit ihren Werken ein kritisches Bild unserer Gesellschaft, welches in seiner zurückgenommenen und dennoch kraftvollen Bildsprache nachhaltig wirkt und seine Betrachter dazu anregt, seine eigenen Sehgewohnheiten zu hinter-fragen.

 

 

2014, Zeit und Zeuge im Marburger Kunstverein

Über die Ausstellung, Text von Kunsthistoriker Fabian Reifferscheidt M.A. (Kompletter Text im Katalog)

 

Wir leben in einer Zeit extremer Bilderfluten. Auf Grundlage des technologischen Fortschritts im 21. Jahrhundert ist eine pausenlos bilderproduzierende Gesellschaft entstanden, in der jedes Ereignis, jeder Ort und jede Handlung würdig erscheint, festgehalten und konserviert zu werden. Die damit verbundenen Herausforderungen zu erkennen und für diese zu sensibilisieren, ist Aufgabe der Kunst und der mit ihr verbundenen Wissenschaften.

 

Die Ausstellung Zeit und Zeugen im Marburger Kunstverein stellt dem oberflächlichen Dokumentations-wahn, der sich in der medialen Bilderflut offenbart, zwei Positionen entgegen, denen es anhand komplexer künstlerischer Strategien gelingt, erzählerische Dimensionen zu öffnen, die weit über das Festhalten der sichtbaren Welt hinaus gehen. Sowohl Anna Pekala als auch Florian Albrecht-Schoeck sind in ihrer Arbeit fest im Bereich der sozialkritischen Fotografie verankert, auch wenn sich ihre Herangehensweisen fundamental voneinander unterscheiden.

 

Pekalas bevorzugtes Medium ist die Porträtfotografie. In zahlreichen Serien hat sie Menschen besucht und in einer Mischung aus Selbstinszenierung und kontrollierter künstlerischer Intervention Milieustudien geschaffen, die intime Einblicke in das Leben verschiedener gesellschaftlicher Gruppen erlauben.

 

Grundlage und Voraussetzung aller Fotostrecken Pekalas ist das Zugehen auf die jeweiligen Protagonisten ihrer Bilder. Gegen- seitiges Vertrauen und der Verzicht auf unnatürliche Inszenierung lassen eine Bildsprache entstehen, deren herausragender Mehrwert darin liegt, tief verwurzelte Vorurteile in ihrer Oberflächlichkeit zu entlarven.

 

In den Arbeiten Florian Albrecht-Schoecks spielt der Mensch als Motiv zunächst keine Rolle. In seinen Fotostrecken und Einzelwerken bilden vor allem außergewöhnliche Orte das Fundament einer vielschichtigen, immer auch politisch verstandenen Ästhetik. Albrecht-Schoecks Topografien führen den Betrachter an Orte, die entweder streng bewacht oder aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein verschwunden sind. Mit sicherem Gespür für Raum und Lichtkom-positionen gelingt es ihm immer wieder aufs Neue, seine Motive so zu interpretieren, dass sie sich als gesellschafts-kritische Chiffren im Bewusstsein des Betrachters festsetzen.

 

Beiden Künstler sind das beeindruckende Engagement und ihr Interesse an gesellschaftlichen Fragen gemein. Der Welt der schnelllebigen Bilderflut begegnen sie mit journalistischem Fleiß und poetischer Bildsprache. Die Produkte ihrer Arbeit erreichen dabei eine Qualität, die das Prädikat Zeitzeugen verdient und einen wertvollen Beitrag zu gesellschaftlichen Diskussionen leistenkann.